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Traum oder Albtraum.
Billys Lustgefühle treiben ihn nachts in dunkle Gassen. Krankenhäuser sind ihm daher nicht fremd. Auch Polizisten kennt er zu Genüge. Einer von ihnen, Sergeant Sam Nolan, unterbreitet Billy ein verlockendes Angebot. Er will ihn auf eine Party mitnehmen, die ganz nach seinem Geschmack sei.
Von dem Risiko, sich einem wildfremden Kerl auszuliefern, lässt Billy sich nicht abschrecken. Er liebt die Gefahr. Aber mit einer Bedrohung wie Officer Hunter hätten weder er noch Sam je gerechnet.
Wie geht es Ihnen?
Die Frage war mir unangenehm. Wie sollte es jemandem gehen, der mit lädiertem Kiefer im Krankenhaus lag und von einem Sergeant befragt wurde?
Spitze, quetschte ich zwischen den Zähnen hindurch, um den Mund nicht allzu weit öffnen zu müssen.
Sergeant Nolan verschränkte die Arme und glotzte mich missmutig an.
Der Ausdruck stand ihm nicht. Er betrog mich um das grübchenverzierte Lächeln, das der Sergeant mir bei seinen letzten Besuchen geschenkt hatte. Ich vermisste es. Es machte ihn sexy, obwohl er die Vierzig garantiert längst hinter sich gelassen hatte. Sein Alter und der verwegene Dreitagebart verliehen ihm ein kerniges Aussehen.
Rein dienstlich kannte ich ihn inzwischen recht gut, wir trafen uns ja nicht zum ersten Mal. Immer, wenn er mich nach einer Befragung alleine ließ, malte ich mir aus, wie ich ihm zum Dank für seine Mühe auf einen Drink einlud. In meiner Fantasie wurde es stets eine lange, ausgefüllte Nacht.
Heute würde das nicht klappen. Er gab sich viel ernster als sonst.
Unvermittelt gab er seine herablassende Haltung auf, kam näher und setzte sich vertraulich neben mich. Billy - ich darf dich doch Billy nennen, oder?
Ich nickte und nuschelte durch den Verband: Klar, warum nicht?
Okay. Also, Billy, das ist jetzt das dritte Mal in diesem Jahr, dass ich deine Zeugenaussage im Krankenhaus aufnehme. Weil du zum dritten Mal Opfer eines Überfalls geworden bist. Versteh das bitte richtig, du hast mein vollstes Mitgefühl.
Ich senkte den Blick. Danke.
Gern. Aber ist es vielleicht möglich, dass du ein vollkommen verblödeter Idiot bist?
Zuerst blinzelte ich nur, weil ich ihn ganz bestimmt falsch verstanden hatte. Dann sah ich ihn fragend an. Was zur Hölle konnte er denn gesagt haben?
Er faltete die Hände zwischen den Knien und atmete tief durch. Ich denke, das erste Mal war Zufall. Vielleicht bist du wirklich nur durch diese spezielle Gasse gelaufen - von der jedes Kleinkind weiß, wie gefährlich es dort nach Einbruch der Dunkelheit ist - um den Heimweg abzukürzen. Das war es jedenfalls, was du vor zehn Monaten zu Protokoll gegeben hast. Nicht deine Schuld, dass du dort ausgeraubt, verprügelt und, bitte verzeih mir meine Direktheit, beinahe ins Koma gefickt worden bist.
Ich verzieh ihm, aber er erwischte mich trotzdem kalt. Zuerst wollte ich antworten, dann doch lieber nicht, dann doch wieder. Meine widersprüchliche Performance finalisierte ich mit einem peinlichen Hustenanfall.
Sergeant Nolan klopfte mir behutsam auf den Rücken. Schon gut, Junge, krieg dich wieder ein.
Ich kriegte mich wieder ein und fand den Mut, ihm die Meinung zu sagen. Wissen Sie, Sergeant, ich glaube, es ist maximal unpädagogisch, so mit einem Vergewaltigungsopfer zu sprechen.
Einem dreimaligen, stimmte er mir zu. Drei Mal. Immer in derselben Gasse. Immer nachts. Und ich bin kein Pädagoge, ich bin Polizist. Jedenfalls, wenn ich im Dienst bin.
Ach!, schnappte ich. Und was sind Sie, wenn Sie nicht im Dienst sind?
Er lachte. Meistens angepisst. Aber manchmal bin ich auch eine Art - wie soll ich mich ausdrücken - eine Art Schutzen