Description: Wissenschaft in Fernsehen, Quiz und Feuilleton Popularisierung von Expertenwissen - dieses altehrwurdige aufklarerische Anliegen hat sich unter den aktuellen wirtschaftlichen, medialen und kulturellen Bedingungen grundlegend gewandelt. Auf der einen Seite machen die (Natur-)Wissenschaften, beflugelt von ihren Erfolgen, der Religion deren traditionelles Hoheitsgebiet von Welterklarung und Sinnstiftung streitig, auf der anderen Seite siedeln sie sich aber auch immer mehr im Bereich der Unterhaltungsindustrie an und werden zusehends zu einer Art 'Pop Science'. Wissen allein genugt heute nicht mehr, man muss damit vor allem Aufsehen erregen, es publikumswirksam in Szene setzen. Aufmerksamkeit ist das kapitale Gut, die gefragte Ware, die universelle Wahrung. Im alltaglichen Kampf um Aufmerksamkeit kann auch die Forschung nicht darauf verzichten, ihre Anspruche vermehrt mediengerecht hochzuschrauben. Die hier versammelten Texte lassen sich durchaus selbst als Stucke der Pop Science lesen, insofern auch sie sich auf der Spielwiese zwischen Wissenschaft und Alltag tummeln. Aber sie sind gleichsam Pop Science mit Spassverderbercharakter. Sie kuhlen die Exaltationen des gegenwartigen Wissenschafts- und Technikbetriebes auf Normaltemperatur, das heisst auf ein menschliches Mass, herunter. Es geht in den vorliegenden Essays also wortlich um Versuche, dieses Mass in all den menschenfluchtigen Horizonten aufzuspuren, die sich heute in Technik, Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft aufspannen.
Brief description: Der Autor Eduard Kaeser, geboren 1948 in Bern, ist Physiker und promovierter Philosoph. Er ist als Lehrer, freier Publizist (u.a. fur die NZZ) sowie als Jazzmusiker tatig und erhielt 2006 den ersten Preis des Essaywettbewerbs 'Ich arbeite, also bin ich'. 2008 erschien im Wiener Passagen Verlag die Essaysammlung Der Korper im Zeitalter seiner Entbehrlichkeit. Thematisch dreht sich seine Schreibarbeit um zwei Gravitationszentren: die Moglichkeit einer Anthropologie in einer Welt der Gerate und die Moglichkeit eines lebbaren Universalismus in einer multikulturellen Welt.