Description: Vergleicht man die Regelungen des Zwolftafelgesetzes mit den spateren Gesetzen so lasst sich auf den ersten Blick eine zunehmende Verschlechterung der Sklavenstellung feststellen: Der Sklave scheint in den Augen des romischen Gesetzgebers vom Mitglied des Hausverbands zu einem Arbeitsinstrument herabgesunken zu sein und eine starkere Geringschatzung erfahren zu haben, die aber dem sozialgeschichtlichen Hintergrund widerspricht.
Dieser Widerspruch ist aufzulosen, indem die Gesetzestexte als Produkte einer sich immer mehr verfeinernden Wissenschaft zu sehen sind, die durch die sorgfaltige Unterscheidung Resultate erzielt, die dem antiken oder modernen Nichtjuristen spontan nicht zuganglich sind. Betrachtet man die Quellen unter diesem Blickwinkel, zeigt sich, dass sie nicht Ausdruck einer veranderten Einstellung gegenuber dem Sklaven als Menschen, sondern lediglich Entwicklung eines von vornherein vorgegebenen Grundgedankens sind, namlich dass ein Sklave Gegenstand im Vermogen seines Eigentumers ist.